Ein leichter Gipfel im Lasörlingkamm

Das Legerle bietet nicht nur Anfängern oder weniger Ausdauernden einen kleinen Gipfelsieg sondern stellt auch für «alte Hasen» eine interessante Variante zum tiefer gelegenen Weg über Zupalsee- zur Lasörlinghütte dar. Der Aufstieg ist steil und wild und die Wanderung über den gratähnlichen Rücken hat ihren eigenen Reiz. 

Wir nehmen eines der frühen Hüttentaxis zur Wetterkreuzhütte, die in Virgen abfahren, da wir uns den ziemlich langwierigen und langweiligen Anstieg durch den Wald und somit zwei Stunden ersparen können. Damit wir abends nicht noch den langen Hatscher ins Tal haben, reservieren wir auch gleich die Rückfahrt.

An der Wetterkreuzhütte wenden wir uns auf dem ausgeschilderten Weg Richtung Zupalseehütte südwärts, steigen gleich mäßig über die Heller Höhe und stehen nach etwa einer halben Stunde am Fuß des Legerle.

Rechts von diesem unscheinbaren Sattel geht es weiter zur Zupalseehütte und wir können uns noch überlegen, ob wir nun tatsächlich den Steilaufstieg unter die Stiefel nehmen, denn wenn man jetzt nach oben blickt, sieht das Ganze ziemlich mühsam aus. Ist es auch! Etwas mehr als eine Stunde schaffen wir uns durch einen Blaubeerhang schnaufend nach oben. Irgendwann erblicken wir ein Gipfelkreuz (2.435 m), aber wer jetzt glaubt, ganz oben zu sein, wird enttäuscht: eine weitere Viertelstunde muss man sich noch höher arbeiten, dann erst öffnet sich der lange, gratähnliche Rücken mit seinem anregenden Weg und den zwei Gipfelerhebungen in 2.527 m Höhe.

Der unscheinbare und leichte Gipfel bietet er­staun­liche Blicke. Die Wetterkreuzhütte scheint schrecklich weit und schrecklich tief zu liegen, und mit ein paar Verrenkungen ist auch bereits die Zupalseehütte zu erblicken. Im Nordosten schaut man in den Ausgang des Virgentals, und natürlich bietet sich ein schönes Panorama der Venedi­ger­gruppe.

Der gratähnliche Rücken sollte mit erhöhter Sorgfalt überschritten werden, auf dem fels­durch­setzten Untergrund wäre Stolpern ganz schlecht! Bald strebt der Weg engagiert in die Tiefe, und nach einem kleinen Sattel geht es dann eher gemütlich durch eine Mulde in Richtung Zupal­see­hütte, die vom Gipfel aus in einer knappen Stunde erreicht wird.

Die Hütte lockt mit einer Sonnenterrasse, deftigen Speisen und guten Hochprozentigen. Da wir ja noch einen Termin mit dem Hüttentaxi haben, verlassen wir diese Pausenstation nicht zu spät. Für den Rückweg zur Wetterkreuzhütte sollten wir mit 1¼ Stunden rechnen.

Toureninfo

Ein leichter Gipfelsieg, der die Ausdauer nur mäßig beansprucht, da uns das Hüttentaxi die meisten Höhenmeter abnimmt.

Zeiten: Wet­ter­kreuz­hütte – Legerle: ca. 1¾h; Legerle – Zupal­see­hüt­te: ¾h bis 1h; Zupalseehütte – Wetter­kreuz­hüt­te: 1¼h – 1½h;

Höhenmeter: Wetterkreuzhütte – Legerle: 470m Aufstieg; Legerle – Zupalseehütte: 230m Abstieg; Zupalseehütte – Wetterkreuzhütte: 240m Abstieg (netto: es geht zwischendrin etwas auf und ab…)

Etwas Geschmackssache:
Ganz oben auf dem Legerle hat die Tour fast den Charakter einer Gratwanderung. Wer Probleme damit hat, «nichts» mehr über sich zu haben, muss an einigen Stellen, wo es links oder rechts in die Tiefe geht, vielleicht ein paar Mal kräftig durchatmen. Bei um­sich­tigem Gehen sollte der Weg aber problemlos sein.

In Gegenrichtung kommt manchen der Steig et­was spektakulärer vor; so mutet der Abstieg in Rich­tung Wetterkreuzhütte womöglich als ein Weg ins «Bodenlose» an…

Für Gipfelanfänger geeignet: Abgesehen von der ohnehin fast überall notwendigen Trittsicherheit und dem konzentrierten Gehen werden keine be­sonderen Anforderungen an die Bergerfahrung gestellt.